Stadtschloss Vetschau 2012

Die Lausitzer Rundschau schrieb am 26. Mai 2012:

Von Buntmenschen und fröhlichen Drachen

Vetschauer Ausstellung gibt Einblick in Kinder-Kunstwerkstatt-Projekte mit dem Ogrosener Künstler Henry Krzysch

Vetschau Selten war eine Ausstellung so bunt und lebendig wie die mit kleinen und großen künstlerischen Arbeiten von Schülern aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis im Vetschauer Stadtschloss. Henry Krzysch, Leiter der Kunstwerkstatt Ogrosen, war voller Anerkennung, als er die Ausstellung eröffnet hat, die noch bis Oktober zu sehen sein wird.

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Die im Vetschauer Stadtschloss ausgestellten Arbeiten begeistern die Kinder und den Künstler Henry Krzysch gleichermaßen. Fotos: H. Kuschy

Henry Krzysch hat seine künstlerische Heimat auf dem Gut Ogrosen gefunden. Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit will er vor allem die Kreativität bei Kindern fördern und lädt sie zu Projekten das ganze Jahr über zu sich in die Kunstwerkstatt ein. An Wochenenden und in den Ferien sind seit dem Jahr 2009 die faszinierendsten Kunstwerke entstanden. Eine kleine Auswahl davon zeigt die am Mittwochabend eröffnete Ausstellung im Vetschauer Stadtschloss.

Der Linolschnitt von Erik Schönrock beispielsweise zeigt einen Ameisenhaufen. Jona Plaß stellte sich vor, wie es "Unter Wasser" aussehen könnte und versuchte sich ebenfalls an einem Linolschnitt. Tim Müller aus Calau erarbeitete sich im Osterferienprogramm 2010 die Figur Seeschlange. Zu sehen ist auch der Styropordruck "Kirche" von Lena Berndt, die erst fünf Jahre alt war, als sie dieses kleine Werk schuf.

Im Rahmen des Bundesprogramms "Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" hat der Ogrosener Künstler mit 20 Grundschülern des Oberspreewald-Lausitz-Kreises eine Weltkulturreise über mehrere Monate unternommen. "Wir haben uns Kleider aus aller Welt in Büchereien angeschaut und untersucht, wie sich die Mode geografisch unterscheidet und welche Muster in den jeweiligen Ländern bevorzugt werden", sagt Henry Krzysch.

Der zwölfjährige Conrad Noack von der Grundschule Altdöbern hat sich bei seinen Recherchen in die Figur eines alten chinesischen Kriegers verliebt, die, übermannsgroß, jetzt neben vielen anderen im Lichthof des Stadtschlosses zu bewundern ist. Wie er das nur geschafft hat – die hölzerne Rüstung des Chinesen mit dem schwarzen Zopf besteht aus unzähligen Einzelteilen. "Die habe ich alle aus einer Platte ausgesägt, bemalt und angenagelt", erzählt er freudestrahlend. Sein Vater sei Tischler und habe ihm dabei geholfen. Dafür, so versichert er, helfe er auch seinem Vater in der Werkstatt. Der Klassenbeste will selbst einmal Tischler werden.

Selten war eine Ausstellung im Vetschauer Stadtschloss so bunt und fröhlich wie diese. Während im Lichthof die unterschiedlichsten hölzernen Vertreter aus allen Herren Ländern auf Besucher warten, hängen kunterbunte Drachen aus ebenso vielen Ländern von der Decke des Schlossfoyers. Wie nur sollen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Besuchern erklären, was diese Drachen mit langen bunten Papierschwänzen zu bedeuten haben? Berechtigte Frage von Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). Prompte Antwort des Ogrosener Künstlers: "Wenn die Tür zum Schloss aufgeht, werden sie frischen Wind ins Haus bringen. Und vielleicht findet der Eine oder Andere durch sie auch zu anderen Ländern", wünscht sich Henry Krzysch.

Angestellt beim ansässigen Verein Land Kultur Gut Ogrosen, hebt der engagierte Künstler mit der großzügigen Unterstützung des Gutsbesitzers Heiner Lütke Schwienhorst ein Projekt nach dem anderen aus der Taufe. Eines davon initiiert er gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendfreizeithaus des Arbeiter-Samariter-Bundes in Vetschau. Im August soll es losgehen. Mädchen und Jungen, die Interesse haben, gehen auf Suche nach Vetschauer Stadtgeschichten. "Mit den Schülern wollen wir offenen Auges durch die Stadt gehen, zeichnen, drucken, illustrieren und im Anschluss ein gesammeltes Werk herausgeben", sagt Henry Krzysch.

Sein Kopf steckt voller weiterer Ideen. Eines der größten Projekte in diesem Jahr wird sein, kleine Kunsttalente an Schulen des Oberspreewald-Lausitz-Kreises aufzuspüren. "Ganz wichtig ist, dass diese Förderung mit aktiven Maßnahmen verbunden ist. Dazu werde ich an zehn Schulen gehen und außerhalb des Unterrichts mit den Kindern arbeiten. Ausgestellt wird am Ende alles in der Galerie im Stadtschloss Senftenberg", sagt er. Der Hauptgewinn ist eine Ferienwoche für maximal 15 Teilnehmer in Ogrosen.

Von der Vetschauer Stadtverwaltung hat Henry Krzysch das Angebot bekommen, leere Schaufenster im Stadtzentrum auszugestalten, um damit den Marktplatz lebendiger zu machen.

Landschaften in Zeichnung und Druck werden in seiner Ausstellung ab Oktober in einer Calauer Zahnarztpraxis zu sehen sein.

"Zeichnen mit Erwachsenen wäre auch noch so eine Idee von mir", sagt der Künstler. Das könnte schon im nächsten Jahr auch ein touristisches Angebot beispielsweise in Vetschau werden. In seiner Werkstatt auf dem Gut in Ogrosen wird es in diesem Sommer ruhiger als sonst sein, was die künstlerische Arbeit betrifft. Dort wird umgebaut. Überbrückt werden kann die Zeit zum Beispiel mit einem Besuch der Ausstellung im Stadtschloss Vetschau. Sie wird bis Oktober zu sehen sein.

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Conrad Noack und sein Buntmensch – ein alter chinesischer Krieger.