profil

Portraitzeichner

 

_________________Kunst- & Portraitmaler___________________

26.05.1968 Geburt in Leisnig in Sachsen

1975 bis 1985 sozialistische Schulbildung POS in Lübbenau/Spreewald

1985 bis 1987 Abitur, EOS in Calau/Niederlausitz

1987 bis 1989 Berufsausbildung zum Dekorateur/Schriftmaler bei HO Calau

1989 bis 1990 Wehrdienst

1990 bis 1996 verschiedene Tätigkeiten in Bayern, wie Maler, Schriftmaler, Siebdrucker, Dekorationen...

1996 bis 1997 Kunststudium Freie Kunstschule Stuttgart

1998 bis 1999 Messebau und Ofenbau in Bayern

2000 Rückkehr in den Spreewald und Bekenntnis zur künstlerischen Identität
Beginn der Künstlerischen Tätigkeit

2001 verschiedene Dozententätigkeiten im Fach Gestaltung

2003 bis 2006 Portraitzeichner bei Festen und Veranstaltungen

2006 bis 2008 Atelier in Altdöbern Niederlausitz, Landschafts- und Pastellmaler,
umfangreiche Arbeit mit Kindern

seit 2009 Leiter der Kunstwerkstatt Ogrosen, Werkstatt für künstlerische Kinder- und Jugendarbeit.

Alle Aktivitäten der künstlerischen Kinder- und Jugendarbeit sind auf dieser Internetpräsenz genauer dargestellt.

Die Lausitzer Rundschau schrieb am 30. Januar 2010

Der Spreewaldmaler

Henry Krzysch findet seine Heimat auf dem Gut Ogrosen

Der Lübbenauer Henry Krzysch musste erst weggehen, um im Spreewald anzukommen. Auch sein Weg zum Künstler war von vielen Umwegen gekennzeichnet. Heute hat der Künstler seine Heimat auf dem Gut Ogrosen gefunden und der Spreewald ist ihm Inspiration. Seine Passion gibt er in der Kunstwerkstatt weiter. Am Sonntag öffnet sie sich um 10 Uhr. Für die Ferienwoche hat er viele Angebote für Schulkinder vorbereitet.

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Bedächtig wählt Henry Krzysch seine Worte, wägt ab und formuliert neu – ganz so, wie er auch an das Malen seiner Bilder herangeht. „Ich muss immer was friemeln, das macht die Gedanken frei, nur so fühle ich mich wohl.“ Mit viel Geduld, Akribie und Ausdauer gestaltet er wahre Meisterwerke, ganz eng angelehnt an den naturalistischen Malstil.

Gelernt hat er diese Ausdauer und den Hang zur Gründlichkeit beim Schiffsmodellbau. Der Lübbenauer besuchte die ehemalige „Station der jungen Techniker“ und schuf dort detailgetreue Modelle. Aber dies war nur die eine Neigung des Jungen: Sein Kunstlehrer Schleißer entdeckte sein Zeichentalent und empfahl ihm den „Zirkel junger Grafiker“, der von Francesco Berges geleitet wurde. „In diesen Jahren habe ich eine Menge gelernt und meine Zeichenkunst auf ein akzeptables Niveau gebracht“, sagt Henry Krzysch.

Es folgte das Abitur in Calau – und die erste Enttäuschung. Denn er wurde für ein Studium an der Kunsthochschule Dresden abgelehnt. Sein Vater Klaus-Peter, Diakon, Theatersänger, aber auch Facharbeiter für Tagebaugroßtechnik und Lokführer, gab ihm aus eigener Erfahrung den Tipp, dass nur „ordentliche Arbeit“ den Mann ernährt. Die Lehre als Dekorateur sah der heute 41-Jährige als einen Kompromiss aus Handwerk und Kunst.

DDR-Affront in rosa

Bei der Handelsorganisation (HO) Calau schloss er diese Lehre zwar vorzeitig ab, aber auch das war mit einer Enttäuschung verbunden. Seine Prüfungsarbeit zum 40. Jahrestag der DDR führte er in rosa aus – das kam nicht gut an und wurde mit „ungenügend“ bewertet. Dennoch erhielt er wegen seiner guten theoretischen Leistungen den Facharbeiterbrief. „Ich habe dort unwahrscheinlich viel gelernt, ich habe alle Kleb- und Farbstoffe in der Hand gehabt, kunstvoll Buchstaben ausgeschnitten und mir eben alles Handwerkliche eines Dekorateurs angeeignet. Das sind Kenntnisse, von denen ich heute noch profitiere“, erzählt er.

Diese Kenntnisse sollten ihm auch bald bei seinem fast zehn Jahre dauernden Westaufenthalt helfen: In einer Chemiefabrik war er eine Zeit als Schriftenmaler angestellt. Doch davor lag noch etwas völlig anders Geartetes. Während des Wehrdienstes bei der NVA hatte er als Grenzsoldat etwas zu schützen, wovon er nicht genau wusste, was es eigentlich war. Als junger Grenzer erlebte er den Mauerfall ganz weit weg von den spektakulären Ereignissen im Salzwedler Land. „Mit meinem MZ-Motorrad konnte ich plötzlich durch die überall entstehenden Zaunöffnungen auf die andere Seite fahren und mich sogar mit den Bundesgrenzschutz-Leuten unterhalten – eine irre Zeit.“

Erster Westkauf

Während seiner Freizeit ging es für den jungen Grenzsoldaten in eine benachbarte Stadt in Niedersachsen. In einer Buchhandlung kaufte er sich für 19,80 Mark ein Lehrbuch über die Aquarell-Malerei – sein erster Westkauf. Wenn auch das Malen bis dato nicht mehr als ein Hobby war, so beschäftigte es ihn dennoch immer wieder und reizte ihn aufs Neue.

Seine künstlerische Entfaltungsmöglichkeit sah er damals nur im Westen. Dabei arbeitete er in diesen Jahren meist als Maler und Grafiker, seltener als Künstler. Henry Krzysch wurde im Westen auch nie so richtig warm: „Vielleicht lag es an meinem fremdländisch klingenden Namen oder an meiner Künstlernatur – ich weiß es nicht“, sagt er.

Während eines Besuchs in seiner Heimatstadt Lübbenau erzählte ihm eine Bekannte vom Gut Ogrosen, auf dem sie untergekommen war und ihn auch dorthin vermitteln konnte. „Nach fast zehn Jahren bin ich wieder daheim, hier sind die Leute wie ich und sprechen meine Sprache“, dachte er und irrte zugleich. Denn auch in seiner Heimat war viel Zeit ins Land gegangen, hatten sich die Menschen verändert. Die damals so vermisste Freiheit gab es auch hier. Er konnte sich nun entfalten, musste aber auch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Die Straßenmalerei war damals eine Möglichkeit und ist es manchmal heute immer noch. In 30 Minuten porträtiert er dann seine Kundschaft und bekommt pro Bild 20 Euro.

Neue Heimat in Ogrosen

Auf Gut Ogrosen hat er eine neue künstlerische Heimstatt gefunden. Als Angestellter des Vereins Land Kultur Gut Ogrosen und mit großzügiger Unterstützung des Gutsbesitzers Heiner Lütke Schwienhorst hebt er gerade ein neues Projekt aus der Taufe. Die „Kunstwerkstatt Ogrosen“ bietet Kindern, Lehrern und allen Kunstinteressierten ein breites Betätigungsfeld, es entsteht sogar eine öffentliche Kunstgalerie auf dem Gut.

Nach vielen Irrungen und Wirrungen ist er nun wohl angekommen. Tochter Margarethe hat ihm kürzlich ein erstes größeres eigenes Kunstwerk geschenkt. Die Siebzehnjährige lebt bei ihrer Mutter in Burghausen und zeigt einen Malstil, der so ganz anders als der des Vaters ist, aber mindestens ebenso ausdruckstark. Sie ist sein ganzer Stolz, scheint sie doch das „Malergen“ von ihm geerbt zu haben.

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Der Spreewald ist Inspiration für Henry Krzysch. Die Kohlezeichnung trägt den Titel „Am großen Paul“. Repro: www.spreewaldmaler.de
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In der Kunstwerkstatt gibt Henry Krzysch seine Passion weiter. Für Schulkinder öffnet sich die Werkstatt in der Ferienwoche wieder. Foto: Peter Becker Foto: Peter Becker